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Currywurst: Einmal essen - dann nie mehr vergessen Berliner Zeitung Thu, October 16th 12:00 PM
Donnerstag, 16. Oktober 2003
CURRYWURST
Einmal essen - dann nie mehr vergessen
Anke Springer
Aus ihrem Mund klingt es wie Verrat: Grace Lee isst ein Sandwich zu Mittag. Die Filmemacherin und Fachfrau f¸r Berliner Currywurst hat genug vom Grill gegessen. Sie sagt es gleich, gibt unumwunden im ersten Satz zu: "Ich brauche eine Pause." Curry 36 in Kreuzberg, Konnopke in Prenzlauer Berg, am Moritzplatz - ¸berall ist sie f¸r ihre Aufnahmen gewesen. Wer wei?, vielleicht verfolgt die 30-J‰hrige der Duft fetttriefender W¸rstchen inzwischen schon bis in ihreTr‰ume.
Zwei St¸ck hat sie t‰glich w‰hrend der Dreharbeiten f¸r ihren
Dokumentarfilm in den vergangenen zwei Monaten verspeist. F¸r manche nur gesundes Mittelma?, f¸r eine zierliche Amerikanerin asiatischer Herkunft d¸rfte es eine Herausforderung gewesen sein. Dennoch: Das Ergebnis ihrer Arbeit ist eine Liebeserkl‰rung an Berliner Imbissbuden. Heimst‰tte der Wurst mit viel Tomatenketschup und Currypulver. "The Best of the Wurst" hei?t der zwanzigmin¸tige Kurzfilm ¸ber eine gro?e Leidenschaft von Schnellessern. Lee bewirbt sich damit bei der n‰chsten Berlinale um den Berlin Today Award.
Die Berliner Currywurst. Es ist ein altes Thema mit neuer Besetzung, augenzwinkernd umgesetzt. Getrieben von dem Wunsch, die beste aller Curryw¸rste mit der Holzgabel aufzuspie?en, macht sich Lee auf die Suche nach der ultimativen Imbissbude Berlins. Um die Antwort darauf gleich vorwegzunehmen: Selbst erfahrene Currywursttesterinnen legen
sich nur ungern fest. "Ich habe mehrere Favoriten", sagt Lee. Nach
einigem ¸berlegen f¸gt sie hinzu: "Aber besonders mag ich ,Krasselts in Steglitz."
Wunderbar w¸rziger Zipfel
Verursacher ihres Kurzfilmes war allerdings der Inhaber einer
anderen Imbissstube. Bei "Witty" am Wittenbergplatz hat sie im
vergangenen Februar ihren ersten Happen Currywurst gegessen und nicht mehr vergessen. Dieser wunderbar w¸rzige Zipfel in Berlin - er wird zur Inspiration f¸r die Filmemacherin. Im Internet startet sie einen Aufruf an alle Currywurstliebhaber, sich bei ihr zu melden. 200 sind bis heute registriert. Das gefl¸gelte Wort von John F. Kennedy "Ich bin ein Berliner" wird auf ihrer Homepage zu "Ich bin eine Currywurst".
Lees Erkl‰rung f¸r ihre Begeisterung ist so einfach wie die
Zubereitung des Snacks: "Die Mischung aus deutscher Wurst,
amerikanischem Ketschup und dazu dieses exotische Currypulver - das fand ich einfach spannend." Und um so l‰nger die Besucherin aus Los Angeles dar¸ber nachdachte, desto mehr erschien ihr die Wurst als ein St¸ck Identit‰t dieser Stadt? "Die Currywurstbude und die K‰ufer hier sind eine Art kleine Gemeinschaft f¸r sich", sagt Lee. F¸r ihren Kurzfilm hat sie den Mikrokosmos auf dem Trottoir unter die Lupe genommen. Sie schaut den Currywurstessern dabei nicht nur auf
das Pappsch‰lchen vor ihnen, sondern spricht sie auch an. "Wie ist es, in Berlin zu leben?", fragt Lee, die selbst mit einem
Wohnsitzwechsel aus dem Herzen Hollywoods in die deutsche Hauptstadt lieb‰ugelt.
Ein bisschen versucht sei sie schon, nach Berlin zu gehen, sagt Lee. Nicht wegen der Currywurst freilich. Nicht nur. Im November fliegt sie wieder zur¸ck nach Los Angelos. Dort hat sie sich auch schon in Gastst‰tten mit deutscher K¸che umgesehen. "Sie hatten dort aber nur Bratwurst", sagt sie, um den kleinen Unterschied wissend. In den n‰chsten Monaten wird ihr das allerdings erst mal wurscht sein. Bis sie wieder Appetit bekommt.
Posted Nov 24 7:28AM
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